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                    Kritiken

 

 

 

 

 

2004/2005   Tim Etchels, Oscar van den Boogaard

MÄNNER, FRAUEN, PAARE

Theater Freiburg/Kammerbühne Indendanz: Amélie Niermeyer

Darsteller: Alexander Gamnitzer, Hülya Karahan, Oliver Held, Marie-Therese Futterknecht, Frank Riede

Gast: Bernhard Meyer (Familien-, Paar- und Sexualtherapeut der Pro Familia, Freiburg)

Dramaturgie: Christof Lepschy, Ausstattung: Amanda Siegert

 

> Badische Zeitung Freiburg, 21.12.2004

Die Liebe ist ein Fragespiel

"Männer, Frauen, Paare" in "The Day I Turned Uncool"

Die Liebe ist ein Fragespiel, das aus Unwahrheiten besteht. Lernt man sich kennen, ist man, wie man schon immer gerne gewesen wäre. Trennt man sich, ist man so, wie man nie sein wollte. Alles möchte man am Anfang wissen und sollte es doch nicht preisgeben, jede Frage möchte man am Ende klären - und ist doch froh, wenn man die wahren Antworten nicht erfährt. Liebe macht fürchterlich uncool, und deshalb passt sie hervorragend in die kleine, skurrile Reihe "The day I turned uncool", die das Theater Freiburg in unregelmäßigen Abständen im Theatercafé oder auf der Kammerbühne veranstaltet. Auch wenn kaum ein größerer Unterschied denkbar wäre zur wunderbar entlegen-versponnenen Revue des ersten Abends. Was ist Wahrheit, was Lüge, was macht man sich selbst vor, was wird einem vorgemacht? Dass es in der Liebe nicht um die reine Wahrheit geht, sagt selbst der Paartherapeut von Pro Familia. Doch bevor er auf der Bühne befragt wird, gibt es ein anderes Fragespiel. Drei Schauspieler spielen drei Schauspieler, die vielleicht zusammen sind, vielleicht verliebt oder getrennt - und stellen sich Fragen über die Liebe. Es widerspricht sich, es scheint so wahr, es irrlichtert so schön. Wann hattest du das letzte Mal Sex? Bist du in mich verliebt? Was findest du sexy? Wir wollen gar nicht wissen, wann die Menschen auf der Bühne das letzte Mal Sex hatten, wir wollen nur wissen, was sie antworten in diesem uns und die Welt stetig bewegenden Diskurs, und dass sie lügen, wissen wir auch. Manchmal aber auch nicht, so natürlich, privat und cool erzählen sie uns ihre tiefsten, öffentlichen Geheimnisse. Das Quizkonzept der berühmten englischen Theatergruppe "Forced Entertainment" , die im Sommer in Basel zu sehen war, ist so noch atemberaubender als das Original: Unser eigener Voyeurismus wird bedient und geblendet zugleich. Als dann noch der echte Herr Meier von Pro Familia mit dem Regisseur und Schauspieler Frank Riede in einer umgekehrten Therapiesituation auf der Bühne sitzt, erfahren wir endlich die Wahrheit über die Liebe. Aber die gibt es doch gar nicht!

Vielleicht liegt sie einzig und allein in der Überführung in Kunst: Im dritten Teil dieses so leicht und locker aufwühlenden Abends lesen und spielen zwei Schauspieler das Stück "Lucia schmilzt" von Oscar van den Boogaard.  Eine Trennungs- und Liebesgeschichte von zwei Schauspielern. Und wieder wird die Realität unaufhörlich zu Schein und umgekehrt: Die Frau (Hülya Karahan) erfährt zum Beispiel, dass die neue Geliebte ihres Mannes (Alexander Gamnitzer) 22 Jahre alt ist. Ein Wutanfall – sie rast von der Kammerbühne. Und kommt dann wieder herein, um betont distanziert den gleichen Text noch mal zu lesen.

Wie tief fällt man aus der Rolle und wieder hinein, wenn man geliebt hat? Mit dieser und anderen lebenswichtigen Fragen wird verwirrend vielschichtig gespielt. Auch wenn es kleine Pannen gibt und man Herrn Meier ruhig noch eindringlicher nach dem Charakter der Liebe hätte fragen können: ein leider nur einmaliger, wunderbarer Abend für Paare und solche, die es nicht mehr sind.

Dorothea Marcus

 

 

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